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Mit einer Premiere warteten die 26. COLLOQUIA USTENSIA in diesem Jahr für die Teilnehmer auf. Erstmals führte einer der Nachmittagsausflüge nicht in die böhmische Umgebung, sondern über die nahe Grenze nach Sachsen zum Barockgarten Großsedlnitz. Die dortige Direktorin  Dr. Andrea Dietrich führte fachkundig und kurzweilig durch das herrlich renovierte Areal, das einst der sächsische Kurfürst August der Starke anlegen ließ, der zum Katholizismus konvertiert war um auch polnischer König werden zu können.

Eine weitere Überraschung war die Erkenntnis, dass die heute bewaldeten steilen Hänge des Elbetals unterhalb des beliebten Aussichtspunkts am Dubitzer Kirchlein über Jahrhunderte als Weinberge, und später als Obstplantagen genutzt waren.  Dr. Jiři Riezner führte eine Gruppe wagemutiger Kletterer durch die teilweise noch gut erhaltenen Terrassen und Treppen, die bis heute an diese Zeit erinnern und die großartige Leistung dokumentieren, die die früheren Bewohner mit der Errichtung und Bewirtschaftung dieser Anlage am Steilhang erbracht haben.

Weitere Ausflüge führten nach Schönlinde und Rumburg, ins Leitmeritzer Archiv und nach Teplitz, wo im Museum die Ausstellung der Teplitzer Heimatstube besichtigt wurde. Gerade dieses Projekt zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen tschechischen und sudetendeutschen Historikern immer enger wird, und dass das Interesse der tschechischen Bevölkerung an der sudetendeutschen Geschichte wächst.

Der neue Direktor des Collegium Bohemicum, PhDr. Petr Koura, stellte sich bei den COLLOQUIA USTENSIA mit einem Vortrag über Jazz in der Protektorats-Zeit vor, den er mit schmissigen Hör-Beispielen untermalte. Weitere Vorträge über Tomaš G. Masaryk, sein Verhältnis zu Religion und Tschechoslowakischer Kirche wie auch zu seinem Streit mit dem Historiker Josef Pekař, über die evangelischen Kirchen in Nordböhmen, über die großartige Literatin Lenka Reinerová, die Volksarchitektur im Erzgebirge und über die Adeligen sächsischer Herkunft in Nordwestböhmen spannten einen weiten Bogen und erweiterten den Horizont der Teilnehmer.

Und Tschechisch gelernt wurde natürlich auch. Jeden Vormittag wurde in fünf Leistungsstufen unter Anleitung von engagierten und versierten Lehrkräften gebüffelt, nachdem zunächst mit dem Singen tschechischer Volkslieder am Sprachgefühl gefeilt wurde.

Mit einem zünftigen Abschlussabend, an dessen Programm sich viele Teilnehmer mit eigenen Beiträgen beteiligten, ging der Kurs zu Ende. Bei dieser Gelegenheit wurden auch schon die Anschluss-Termine bekanntgegeben. Ein Zwischentreffen ist geplant am 9. bis 11. März 2018 in Münster, und die nächsten COLLOQUIA USTENSIA finden am 12. bis 25. August 2018 statt. Neue Interessenten sind herzlich willkommen! Kontakt: Ursula und Christoph Lippert, Telefon 09132/9700 Email info@lti-training.de

Fotos:

Erstmals über die nahe Grenze nach Sachsen führte in diesem Jahr ein Ausflug die Teilnehmer der COLLOQUIA USTENSIA in den Barockgarten Großsedlnitz

Kursteilnehmer im herzlichen Gespräch mit befreundeten tschechischen Priestern nach der Abendmesse in der Aussiger Dekanalkirche Maria Himmelfahrt