Sidebar

19
lis, ne
37 Aktuality

Am 25. November 2010 fand in Zusammenarbeit mit der Pro Helvetia-Stiftung in Zürich am Lehrstuhl für Germanistik, FF UJEP, České mládeže 8, Autorenlesung von Irena BREŽNÁ statt, die aus ihrem Roman „Die beste aller Welten“ in deutscher und slowakischer Sprache vorlas.

Irena Brežná, 1950 in der Slowakei geboren, lebt seit 1968 in der Schweiz. Sie ist Schriftstellerin, Publizistin, Slawistin, Psychologin und interkulturelle Vermittlerin. Als engagierte Pubizistin wurde sie mehrmals in der Schweiz, BRD und Slowakei ausgezeichnet. Einen Namen hat sie sich insbesondere als Kriegsjournalistin mit ihren Reportagenbänden gemacht. Auf großes Echo stieß ihr erster, autobiographisch geprägter Roman „Die beste aller Welten“ (2008), der inzwischen in ihre Muttersprache übersetzt wurde und ab 2010 auch in tschechischer Übersetzung 2010 vorliegt. Der Roman erzählt auf humorvolle und poetische Art über eine Heranwachsende in der sozialistischen Slowakei der 50er Jahre. Während die Mutter im Gefängnis verschwindet, sucht das Mädchen, zerrissen zwischen dem Elternhaus und der Schule, seinen Weg.

«Die beste aller Welten» ist Breznas erster Roman und stark autobiografisch geprägt. Ihre Heldin Jana wird zur «Sammlerin der Gedanken», denn sie muss lernen, diese für sich zu behalten. «Kameradin Lehrerin» fordert die SchülerInnen auf, zu melden, wenn jemand in der Familie kein proletarisches Bewusstsein hat. Das muss Jana ebenso verschweigen wie der Familie gegenüber ihren glühenden Wunsch, eine proletarische Heldin zu werden. Mit Begeisterung trägt sie das rote Halstuch der jungen PionierInnen und will nichts wissen von den Waffen einer Frau, mit der sie - geht es nach ihrer Mutter - kämpfen lernen soll (aus der Rezension von Eva Pfister, WOZ vom 18.09.2008)

Eindrücke der Schriftstellerin aus der Lesung in Ústí n. Labem:

Die Zugverbindung brach unterwegs ab, doch mit einem Bus erreichten wir Prag und von dort fuhr ich weiter mit dem Zug nach Ústí, wo ich von einem Studenten abgeholt wurde. Ich wurde in einem Gästehaus der Universität untergebracht, in grossen, frisch gestrichenen Räumen. In Ústí spürte ich eine grosse Tragödie. Sie lag regelrecht in der Luft. Am nächsten Tag führte mich die Germanistikdozentin Jana Hrdličkova durch die Stadt, erzählte mir ungeschminkt von der tragischen Geschichte des Städtchens, das umgeben von Hügeln liegt und ein paar schöne Villen hat, doch nicht nur seine Architektur, sondern auch die Umwelt (Chemiefabrik mitten in der Stadt, Braunkohlegeruch) wirken verstörend.  Auch hier fand die Vertreibung von Deutschen und Juden statt, und die jetzige Bevölkerung wurde hier angesiedelt, u.a. Roma aus der Slowakei.

Zu der Veranstaltung kamen etwa 25 Studierende, die in den Seminaren für die Lesung gut vorbereitet worden waren [...]. In der Diskussion kam vor allem die tschechische Übersetzung zur Sprache, eine Dozentin meinte, diese klinge zu hart, härter als das deutsche Original, da die Übersetzerin Jana Zoubková die Umgangsprache in den Vordergrund gestellt habe. Soweit ich das Tschechische beurteilen kann, finde ich, dass die Übersetzung sehr flüssig und reizvoll ist. Wieder wurde ich gefragt, warum ich nicht auf Slowakisch schreibe. An der Diskussion über mein literarisches Schaffen konnte ich erkennen, dass die Anwesenden viel wussten. Eine Dozentin hatte gerade ein Seminar über mein Buch “Die Schuppenhaut” gemacht [...].