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Am 23. November 2011 fand in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum in Prag am Lehrstuhl für Germanistik, FF UJEP, České mládeže 8, Autorenlesung von Julya RABINOWICH aus ihrem Prosawerk „Die Herznovelle“ statt.

Julya Rabinowich (*1970 in Leningrad, heute St. Petersburg) kam im Jahr 1977 aus der Sowjetunion nach Wien, wo sie an der Universität Wien Dolmetschen und an der Universität für angewandte Kunst Malerei und Philosophie studierte. Seit 2006 arbeitet sie als Simultandolmetscherin  im Rahmen von Psychotherapie- und Psychiatriesitzungen mit Flüchtlingen (u.a. für das Integrationshaus Wien). Sie leitet workshops und Schreibwerkstätten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Heute lebt sie als Autorin, Dramatikerin und Malerin in Wien.

Als wenn ihr das Schreiben nicht genug wäre, betätigt sich Rabinowich noch in zahlreichen weiteren gesellschaftlichen und künstlerischen Sphären. Sie studierte Dolmetsch, Malerei und Philosophie und arbeitet u.a. als Simultandolmetscherin für Organisationen in der Flüchtlingsbetreuung.

Ihr Geburtsort St. Petersburg, zu dem sie allerdings wenig persönlichen Bezug abgesehen von ihren sprachlichen Kompetenzen hat, verschaffte ihr auch in der Rubrik der „Migrationsliteratur“ in letzter Zeit erhöhte Aufmerksamkeit. Für ihre zahlreichen Theaterstücke und zwei Romane erhielt sie bereits einige Stipendien und zuletzt den Rauriser-Literaturpreis 2009 für ihren Debütroman „Spaltkopf“.

Ganz im Gegensatz zur Person der Autorin, steht die Hauptprotagonistin der Herznovelle: Eine kinderlose, verheiratete Hausfrau, die in ihrer eintönigen Welt, die sich um Kosmetik und Lieblingsmahlzeiten dreht, gefangen ist, muss wegen Herzproblemen unters Messer. Die physische Berührung ihres Herzens legt sie auf ihre Gefühlswelt um und ihr Kardiologe wird zur Obsession. Ihre Versuche, sich dem Arzt anzunähern, bleiben allerdings erfolglos, sie macht sich mitunter sogar lächerlich. Schließlich endet sie wieder als „desperate housewife“ (Zitat der Autorin) in ihrem engen, aber gewohnten, Milieu.

Rabinowich betonte die Bedeutung der Figur der „Antiheldin“ in ihrem Roman. Angesichts aktueller Trends, wie der verstärkten Zuwendung junger Frauen zu Haushalt und Verzicht auf die eigene Karriere, sehe sie das Buch als negativen Lebensentwurf einer zukünftigen Frauengeneration.